- Leichenwetter (04.09)
- Dark Club Night + Depeche Mode Party (23.03)
- Patenbrigade: Wolff + Hartung & Schleinitz + DCN (14.04)
- Party.San Metal Open Air 2012 (09.08)
- Welle: Erdball (09.12)
Industriegebiet – Wer schön sein will muss sterben

Es gibt Bands, die machen harten Electro, liefern uns tanzbare Rhythmen ohne Hintergedanken und es gibt solche, deren Texte zum Nachdenken anregen.
Kombiniert man beides, so erhält man eine explosive Mischung aus krachendem Industrial auf der einen Seite und gleichzeitig Texte, die den Geist fordern. Dies können Industriegebiet, namentlich Massimo, aus Hessen. Schon das erste veröffentliche Album „Hodenkapsel“ lies so manchen interessiert aufhorchen. So schaffte es der Track „Sex mit einer Leiche“ auf die Tanzflächen der Clubs - ja genau, das sind Industriegebiet!
Nach einem Splitalbum mit Ellipse, in dem einige Titel beider Bands von Größen wie Soman, Mechanical Moth und Acylum geremixt wurden, zeigen deutlich, dass es sich hierbei um einen ernstzunehmenden Act statt einer Eintagsfliege handelt. Verlegt wird Industriegebiet auf dem Industrial Label Körperschall aus Schöneck bei Frankfurt.
Auch auf dem neuen Album finden sich krachige Industrial Stücke gepaart mit süffisanter Ironie. Die Samples wurden mit bedacht gewählt und sitzen akkurat. Musikalisch erzeugt Industriegebiet einen heißen Sound, der auch dieses Mal direkt in die Clubs gehen wird.
„Ein Traum der nie zu ende geht“ markiert den Auftakt. Mit knapp 6,5 Minuten auch gleich das längste Stück, gehen Industriegebiet direkt zur Sache; die Samples erzeugen eine kalte Atmosphäre, der harte Beat kombiniert mit überraschend bombastischen Sounds bauen einen Spannungsbogen auf, der bis zum Ende anhält.
„Erniedrigung“ setzt in Sachen Speed einen drauf: kompromisslos hart groovt und quietscht der Synthie und die Beats hämmern dazu. Dabei legt der Song an Härte im Verlauf zu.
„Are you ready (to rock)“ ist ein Tanzflächenkracher schlechthin. Beginnend durch schlichten Sound und harte Beats wird eine Steigerung bis zum Ende durchgehalten: härter, lauter, „bässer“; ein Test für die Leidensfähigkeit eurer Nachbarn und Anlage! Dazu krachen die Filter des analog Synthesizer - ''Are you ready?''
„Herzblut“ beginnt schwer und schleppend mit abgrundtiefen Bässen. Harte Krachsounds, die sich langsam mit einem Beat unterlegen. Die Steigerung erfolgt auch hier im Verlauf: immer schneller und härter!
„Wer schön sein will muss sterben“ pusht vom ersten Takt an; eine harte Tanzflächennummer. Interessant vor allem durch einen speziellen Vocoder Einsatz, wird hier ein astrein clubtauglicher Track abgefackelt.
„Gott hat Urlaub“ nimmt das Tempo raus, ein sphärisch orientalischer Sound lässt uns kurzzeitig verschnaufen.
„Schwarz statt braun“ ist eine klare Ansage: weg mit braunem Gedankengut! Thematisiert wird auch die Unterwanderung der Szenen und immer weiter verdeckt auftretenden Nazi Gruppierungen: Augen auf!
Bei „Auf den Tisch hauen“ vermischen sich kalte Industrie Hooklines mit sphärisch, futuristischen Klängen.
Über „die Roboter“ etwas zu sagen erübrigt sich – eine DER Klassiker der elektronischen Musik überhaupt. Die Industriegebiet Version bleibt tempomäßig im unteren Bereich, klingt dadurch besonders stampfend und feuert energiegeladen voran. Dies ist definitiv eine äußerst gelungene Version des Kraftwerk Stückes.
Einen Ausflug ins reine EBM vollführt Massimo, der Mastermind, in Kriegskind: Stomp - sitzt akkurat!
„Schießt euch doch selbst in den Kopf“ ist Ironie pur, kehrt zurück zu harten Sounds und zieht im zweiten Songteil das Tempo richtig an.
Den Ausklang liefert Industriegebiet mit „Hör dir nicht diesen Song an“ - warum wissen wir nicht, denn eigentlich liefert er doch eine eingängige Melodie auf hartem EBM Sound ab, um zum Schluss immer tranciger und spaciger zu werden.
Somit beendet Industriegebiet das äußerst kurzweilige Album.
Die Rhythmen sind heiß, die Hooklines mitreißend. Wer bei Titeln wie „Are you ready“ oder „Wer schön sein will muss sterben“ noch still stehen kann, den zieht wohl nichts auf die Tanzfläche!
Auch vom neuen Album gab es schon den einen und anderen Remix, vertreten auf dem Label Sampler „Körperschall – Remixed Vol.2“.
„Wer schön sein will muss sterben“ ist derweil definitiv eines der heißesten Neuerscheinungen im Herbst. Testet es an, kauft es, aber denkt an eure Nachbarn (Anm. des Rezensenten).
Are you ready (to rock)?

