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Welle:Erdball – Der kalte Krieg

Der Name ist Erdball – Welle: Erdball. Das neuste Album der Kultband aus Niedersachsen präsentiert sich ganz im Stil der Zeit der Spione. Das rote Telefon als heißer Draht für die neuesten Meldungen auf dem Cover, während sich Honey, Alf, Frl. Venus und Plastique im mondänen Stil der James Bond Filme zeigen.
Dies Album ist auch gleichzeitig etwas Besonderes, treten Welle: Erdball hier durch eine Vielzahl Zahl Coverversionen auf, welche die letzten Jahre vor dem Mauerfall die Kindheit vieler begleiteten. Unschuldig klingende Schlager treffen auf harte Wave Sounds. Werfen wir also die Scheibe in den Player und lauschen der neusten Sendung des Senders.
Ist der Beginn... schon lange Kult geworden, so gleicht kein Intro dem anderen, bleibt dennoch die Zeile gleich: „Hallo, hier spricht Welle: Erdball. Sinfonie der Zeit - Aus dem Äther schwingt und schwillt sie in die Ewigkeit.“.
Ihren Faible für Hörspiele bewiesen Welle: Erdball bereits bei Commander Laserstrahl. Das Intro im Spion Stil erinnert an einen James Bond Film, und so kann es keine bessere Fortsetzung geben, als die bekannteste Melodie der Filmgeschichte – das „James Bond Thema“.
Kaum ein Musikstück ist ein derartiges Synonym für spannende Agentenfilme wie die Melodie von Monty Norman.
„Deutsche Liebe (C=64)“ ist ein typischer Welle: Erdball Song. Der C=64 übernimmt die Soundgestaltung - mittanzen ist erwünscht! Eine Hommage an dieses Land und die Verbundenheit zur Heimat trotz Globalisierung und Fernreisen; daheim ist es meistens doch am schönsten.
„Feuerwerk“ - das Duett zwischen Nina und Stefan Remmler aus dem Jahr 1984 animiert sofort zum Mitsingen. Der treibende Beat und die behutsam angepasste Melodie passen – Klasse gemacht!
„Eine neue Zeit“, im Original von Der Liederkranz, ist ein knallhartes Tanzbrett. Wave und EBM treiben kompromisslos auf die Tanzflächen, als wäre es ein eigenes Welle Stück!
„Amerika“ ist das zweite eigene Stück. Hier bearbeiteten Welle: Erdball ihren Song, der auf dem früheren Album „alles ist möglich“ schon erschienen ist, neu. Die Neugewandung gelang und brachten den Sound in die aktuelle Zeit der Band.
„Kabinett“ ist ein sehr waviger Track der 80er von The Cabinet. Die weibliche Stimme passt perfekt und gibt dem Song eine sehr fesselnde Atmosphäre – be aware of the Doctor!
Das folgende „If you want to sing out, sing out“ wird viele überraschen. Welle: Erdball beweisen mit diesem Cover von Cat Stevens, dass sie viel mehr sind als Elektronik. Dies Gitarrenstück ist ein wunderbares Kleinod daran, dass jeder Mensch so leben soll, wie er es will und sich nicht einschränken lassen soll. Honeys Stimme dazu klingt einfach wundervoll!
„Vor all den Jahren“ von Stahlnetz thematisiert den Kalten Krieg wie kaum ein anderes Stück. Was passiert im Falle eines Atomschlages? „Schützen Sie den Kopf mit einer Tasche“. Dies zeigt die Verharmlosung dessen, wie mit der tödlichen Kraft umgegangen wurde; ganz im Sinne von Duck and Cover.
„Starfighter F104-S“ ist eine Neubearbeitung ihres Hits. Weniger hart doch sphärischer, atmosphärischer gelang es aus dem Stück etwas ganz eigenes zu machen.
„Der Kalte Krieg; Beweg dein Gehirn – Jetzt!“ ist ein typischer Welle: Erdball Song, textlich kritisch und satirisch zugleich, erfreut dies Stück den Zuhörer, der Sound dazu passt akkurat. Die eingespielten Filmsamples aus der Zeit der atomaren Aufrüstung und beginnenden Entspannung regen zum Nachdenken an, wie nah die Welt mehrfach am Abgrund stand und dennoch es nicht zur Katastrophe kam.
„Karl der Käfer“ von Gänsehaut im C=64 Sound begeistert – hier zeigt sich die ausgeprägte Spielfreude der Niedersachsen. Die Stück wurde mit Bedacht gewählt; so thematisiert es die Zerstörung von Natur und Wald, um sie in eine Betonwüste zu verwandeln.
„Hab ich Dir heute schon gesagt, daß ich dich liebe?“ ist einfach witzig. Ein Stück im Original von Chris Roberts (ja – richtig gelesen) im Welle: Erdball Sound ist anders, ganz anders und dennoch immer wieder zum Schmunzeln. Zudem anhand gerade solcher Stücke die Detailverliebtheit der Soundgestaltung begeistert. Kennt Ihr, liebe Leser, denn noch den Sound der Simmons E-Drums?
„Ein bißchen Frieden“, der bisherig einzige deutsche erfolgreiche Beitrag am Grand Prix im Kleid von Welle: Erdball? Warum nicht, gewinnt der Track durch die Bearbeitung vor allem an Pep. Gesanglich vorm Original verstecken müssen sich sowohl Frl. Venus als auch Plastique ohnehin nicht!
Den Ausklang des Albums ist eine Hörspielpassage als Fortsetzung des Intros. Vielleicht erleben wir ja einen Welle: Erdball Film in diesem Bereich? :) „Achtung Achtung – soeben ist ein feindlicher Raketenangriff auf unser Land erfolgt!“
Ein Welle: Erdball Album ohne hidden Bonus? Mitnichten, auch dies Album beinhaltet ihn – natürlich ganz zum Schluss. Auch dieser im typischen Sound, den wir schon auf Operation: Zeitsturm genossen haben, zeigt wiedermal, dass es sich immer lohnt, ganz bis zum Schluss am Empfangsgerät zu bleiben!
Welle: Erdball beweisen auf ihrem neusten Werk ihr Faible für Skurriles, aber auch Wunderschönes. Die Klangspektren reichen vom kultigen C=64 Sound über mitreißenden Wave bis zu akustischen Gitarrenklängen. Kaum eine andere Band hat es bislang geschafft, seine Hörer derart lange, immerhin schon 20 Jahre, zu fesseln. Die Konzerte sind voll, die Songs mittlerweile Kult, was kann man dem noch hinzufügen? Schaut Euch die Konzerte an, es lohnt sich! Wir hoffen, dass wir noch lange begrüßt werden mit...
„Hallo, hier spricht Welle: Erdball“ - auf dass niemals Sendeschluss sein wird!

